Hallo Siggi,
Zu Deiner Frage wie die „Vorväter“ ihre Fleischprodukte haltbar gemacht haben, habe ich mit dem verlinkten Rezept ja schon Stellung genommen. Die von Dir genannten 98 °C und 30 Minuten dürften das absolute Minimum darstellen und entsprechen möglicherweise auch den 121 °C bei wenigen Minuten (genauer möchte ich mich da jetzt ohne Bücher zu wälzen nicht festlegen). Diese Bedingungen sollten ausreichen um ein mikrobiologisch stabiles Produkt zu erhalten. Die Frage der Haltbarkeit, die sich dann stellt, ist also nicht mehr so sehr der mikrobielle Verderb (Stoffwechsel und Vermehrung von Bakterien, Hefen und Schimmel und die mögliche Bildung von Toxinen) sondern die anderer physikalischer, chemischer und enzymatischer Veränderungen im Laufe der Lagerung. Also: „Wie lange kann ich z.B. die Sauce bei welcher Temperatur lagern, ohne dass sich der Geschmack, die Textur über ein (zu bestimmendes) Maß hinaus verschlechtert, ab dem wir das Produkt als verdorben betrachten. Insofern mag es ja sein, dass der Autor oder die Autorin des von Dir erwähnten Buches, die im Laufe einer einjährigen Lagerung auftretenden Veränderungen noch als Qualität akzeptiert. (Es gibt auch Leute, die einen Camembert erst mögen, wenn er außen rot ist, nach Ammoniak riecht und über den Tellerrand fließt

.)
Die Frage ist vielmehr: Ist es mit der beschriebenen Methode (Sauce kochen und heiß in Twistoff-Gläser einfüllen, diese verschließen und auf den Kopf stellen) möglich, ein mikrobiologisch stabiles Produkt zu erhalten?
Und genau da behaupte ich, dass dies nicht mit ausreichender Sicherheit gegeben ist:
A) Die Sauce lässt sich im Topf nicht gleichmäßig auf 98 °C erhitzen (selbst unter ständigem Rühren).
B) Die Gläser und Deckel (selbst frisch aus der Spühlmaschine) sind nicht steril, anderes Arbeitsgerät ebenfalls nicht.
C) In der Raumluft befinden sich immer hinreichend Keime, die in die Gläser, auf die Deckel und in die Sauce fallen können.
Um diese Restkeime mit Sicherheit an der Vermehrung zu hindern reicht es nicht aus, die Sauce bei ca. 80 °C abzufüllen und zu verschließen.
Bei der erwähnten Marmelade ist die Sache weniger kritisch, da der hohe Zuckergehalt das Bakterienwachstum verhindert. Mit dem auf den Kopf stellen wird dabei der Deckel so etwas wie „pasteurisiert“ was gegen Schimmel (die bei geringeren Wasseraktivitäten wachsen könnten,) ausreicht, da diese hitzeempfindlicher sind.
Was ausreichende Sicherheit ist, müsste natürlich auch noch definiert werden. Privat mag ich damit leben können, dass 1 von 100 Gläsern verdirbt (da ich „meine Produktions- und Lagerbedingungen kenne und um das Problem weiß und entsprechend darauf achten kann). Um eine Methode an andere weiter zu empfehlen wäre mir diese Sicherheit nicht groß genug. (und Du weißt ja nicht, ob nicht schon das erste der 100 Gläser schlecht wird

)
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acanthus
<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: acanthus am 2005-10-23 10:19 ]</font>