Plötzlich werde ich in die Gegenwart zurückgeholt, konzentriere mich und erkenne ein heiseres, schmerzvolles Geheul. Bleibe stehen wie angewurzelt, ich ahne Gefahr für ein Tier.
Konzentriere mich, um den Ort, aus dem das Winseln kommt, zu lokalisieren. Mein Gott, was ist denn das? Was kann passiert sein?? ich eile zum Strandwärter-Hochsitz. Es war kein Bademeister und auch sonst niemand da. Aber die immer schwächer werdende Hundestimme kam eindeutig aus dem Hochstand. Ich versuchte die „Hühnerleiter“ hochzusteigen und traute meine Augen nicht: Ein kleines, süßes, weißes Wollknäuel hing an einer roten Leine, die mit einem riesengroßen Nagel auf dem Holzboden des Hochstandes angenagelt war.
Mein Gott, wenn schon aussetzen, warum muss es ein so großer, starker Nagel sein? Warum hat dieser gemeine „Mensch“ sich einer so stabilen Lösung bedient? Warum muss der Nagel so tief gesetzt werden? Ich konnte ihn nicht bewegen und folglich auch die Hundeleine mit Hund nicht befreien. Meine Fingernägel brachen in dem Versuch den Nagel zu lockern, meine Finger bluteten, in meiner Bemühung ihn zu bewegen. Keine Change, der war zu stark, ich zu schwach und ohne Werkzeug. Ich schaute mich um, ob jemand zu Hilfe geholt werden könnte, Pech weit und breit niemand zu sehen. Ich turnte die Hühnerleiter runter und suchte im Sand nach einem Gegenstand, den ich als Hebel einsetzen könnte. Ich sah bald nur noch verschwommen, der Sand glitzerte und ich war geblendet, aber das Winseln des kleinen Wollknäuels gab mir Antrieb großräumiger zu suchen. Mein Gott die Menschen hier am Strand, schmeißen so vieles weg, es wird sich doch was brauchbares finden lassen, was ich als Hebel ansetzten könnte! Nur nicht aufgeben. Ich fing an die Abfallkörbe zu durchsuchen, ekelige Dinge mit den Händen anfassen, mir wurde es fast übel! Meine Hartnäckigkeit hat sich aber gelohnt, Heurika!! Ich drehte mich um, mit der Trophäe in der Hand und lief in Richtung Hochsitz. Für einen Moment dachte ich, mein Gott jetzt komme ich womöglich zu spät, der kleine Wohlknäuel ist nicht mehr am Leben, ich höre ihn nicht mehr………Das war ein wohltuender Irrtum, ich kam näher und das Stimmchen war erneut zu hören, nur jetzt noch schwächer. Noch 20 Meter und ich war angekommen. Die Leitersprossen knackten unter meinen stürmisch empor kletternden Füßen, aber sie hielten Stand. Ich machte mich ans Werk, setzte den Hebel an, lockerte nach und nach den Nagel, zog ihn zwar aus dem Holz, bekam ihn aber nicht aus dem dicken Leder der Leine heraus. Na egal, mit dem kleinen, zitternden Kerl unterm Arm, kletterte ich wieder hinab.
Uff, geschafft! Ich setzte das Tierchen auf dem Boden, wo es sogleich seine Notdurft verrichtete und hörbar seufzte. Danach setzte es sich vorbildlich, wie auf Kommando hin und schaute zu mir hoch.
Diese Augen, die Treue die sie spiegelten, mein Gott wie kann ein Mensch so grausam sein.
In der Sitzstellung konnte ich, am Colt unterm Bauch, sogleich sein Geschlecht bestimmen.... ……aha …Polizeihund …eh !!!
Wie heißt du denn kleiner? Die Augen wurden noch größer. Ah, ich verstehe, du willst es mir nicht verraten, du willst ein neues Leben, eine neue Existenz mit einem neuen Namen….
Ja, was machen wir denn da? Also, mir ging jetzt nur ein Name durch den Kopf; verdammt es ist aber kein Hundename. Du kleiner, mir fällt nur der Name „Nikolaki“ ein. Willst du so heißen? Das Schwänzchen signalisierte Begeisterung, mit so viel Einverständnis hatte ich nicht gerechnet.
„Na gut, du bist getauft auf dem Namen Nikolaki“. Dann lass uns gemeinsam einen Spaziergang durch den Wald machen und dabei überlegen, wie es weitergehen soll…….






